Foto: Semmel Concerts

„Ich habe angefangen, Musik zu machen, weil ich Probleme damit habe, mich den Dingen direkt zu stellen“, antwortet Kelvin Jones auf die Frage, warum er eigentlich angefangen hat Songs zu schreiben. „Wenn ich mit etwas zu kämpfen habe, dann esse ich mehr, mache mehr Witze, sehe mehr TV – ich mache einfach alles, außer mich mit dem eigentlichen Problem auseinander-zusetzen. Aber bei Musik ist das anders. Da entsteht dieser safe space, in dem ich ehrlich bin, in dem ich weine, meine Zweifel habe und all die Gefühle fühlen kann, vor denen ich sonst solche Angst habe.”

Kelvin Jones wird 1995 als Tinashe Mupani in Simbabwe geboren. „Ich habe jeden Tag barfuß im Sand gespielt und Spielzeugautos aus Draht gebastelt. Wir hatten Hühner in unserem Garten und meine Großeltern lebten in Hütten ohne elektrisches Licht“, erzählt Kelvin Jones über sein Aufwachsen im südlichen Afrika. „Ich glaube, dass ich die Dinge dadurch manchmal etwas anders sehe. Vor allem bin ich über allen Maßen dankbar, dass ich mit diesem Leben gesegnet wurde, aber habe auch oft ein schlechtes Gewissen, weil ein Großteil meiner Familie immer noch in Simbabwe lebt und mit sehr wenig auskommen kann.“ Denn als Kelvin Jones neun Jahre alt ist, zieht die Familie nach London. Keine leichte Zeit. „Er ist lange das einzige Schwarze Kind auf der Schule. Die Familie zieht oft um und Kelvin besucht acht verschiedene Schulen. Aber genau so lernt er, schnell Freunde zu finden – und er macht Musik. 2014 sorgen genau diese beiden Umstände dafür, dass sich das Leben Kelvin Jones über Nacht um 180 Grad dreht. Ein guter Freund postet Kelvins Song „Call You Home“ auf der Webseite Reddit – und über Nacht wird er weltbekannt. Es folgen ein Umzug nach Berlin, das Debütalbum „Stop the Moment“, Spotify- Plays und YouTube-Views in Millionenhöhe sowie Gold- und Platinauszeichnungen – nicht nur für seine Debütsingle, sondern auch „Only Thing We Know”, seine Airplay-Nummer-1-Collabo mit Alle Farben und „Love To Go” mit Lost Frequencies. Große Erfolge also. Aber eben auch große Fragen: Wer bin ich eigentlich? Und warum mache ich überhaupt Musik?

„This Too Shall Last“, das zweite Album von Kelvin Jones, welches im Frühjahr 2022 erscheinen wird, liefert Antworten auf all diese Fragen. Manche der Songs sind ruhig und zeigen die Wurzeln von Kelvin Jones, manche zeigen wiederum eine andere Seite an Kelvin Jones. Nämlich die Phase der DJ-Kooperationen und den Spaß, den er hatte, mit diesen Dance-Pop-Songs auf der Bühne zu stehen. Das Album ist ein Abbild der Höhen und der Tiefen, der Erfolge, aber auch der Rückschläge in den letzten Jahren. Und nach Studiosessions und Deadlines, Erwartungsdruck und Selbstzweifeln hat Kelvin Jones mit „Cry A Little Less“ einen Song fertiggestellt, der ihn länger als jeder andere begleitet hat – und mit dem fertigen Song fiel auch die Last von Kelvins Schultern.

„Auch, wenn ich meine Musik immer geliebt habe und zu 100 Prozent hinter ihr stehe, habe ich doch realisiert, dass die Songs oft nicht mehr die gleiche Wirkung auf mich hatten wie früher. Aber gerade mit meiner neuen Single „Cry A Little Less“ habe ich wieder gelernt, was es heißt, mein ganzes Herz auf das Papier zu bringen, nichts auszulassen und Songs zu schreiben, die für mich, aber auch für andere eine heilende Wirkung haben können. Einfach Songs, die ehrlich sind. Ich glaube wirklich, dass Menschen sich von Ehrlichkeit angezogen fühlen und genau das will ich mit dem neuen Album erreichen.“